Ein Schnaps zur Verdauung?

Am 19. Januar 2020Von Dr. Alfons Lindemann In InformativesMedizin

Bauch, Bauchschmerzen, Schmerzen, Darm, Verstopfung

Foto: https://pixabay.com/de/illustrations/bauch-bauchschmerzen-schmerzen-darm-3865433/

Hochprozentiger Alkohol in kleiner Dosis hat den Ruf Infekten vorzubeugen, Völlegefühl zu vermindern und die Verdauung zu fördern.
Aber stimmt das wirklich?

Die Hauptwirkung, die Alkohol auf unseren Verdauungstrakt hat ist ähnlich der Wirkung, die er auf unser Gehirn hat: er betäubt das Nervensystem! Damit verhindert er tatsächlich das Völlegefühl, wobei die Betonung auf dem Wort Gefühl liegt. Die Betäubung des Magenschließmuskels kann allerdings zudem die Magenentleerung geringfügig beschleunigen.
Martini und Sherry steigern den Säureausstoß im Magen um das 5fache.
Zusammen mit dem betäubten unteren Schließmuskel der Speiseröhre kann das Sodbrennen fördern, also ein ätzen der Schleimhäute.
Gebrannte Alkohole wie WhiskeyBrandyRum tun das übrigens nicht.
Darüber hinaus lähmt der Alkohol besonders in höherer Dosis die Bewegungen von Magen und Darm. Dies behindert die Verdauung, kann bei ausreichender Dosis zum Stillstand der Peristaltik * und zu Erbrechen führen.

* Peristaltik = Muskelbewegungen in Hohlorganen, bei der durch fortlaufendes Zusammenziehen einzelner Abschnitte der Inhalt des Hohlorgans weitertransportiert wird.
+ Reiner Alkohol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, vermischt mit 10 bis 30% Wasser, ist ein gutes Desinfektionsmittel. Bei einer Einwirkzeit auf kleinen Flächen oder Haut von bis zu 30 Min. gut denaturierend Wirksam gegen Viren.

Obwohl Alkohol als Desinfektionsmittel genutzt wird, hat ein 40%iger Schnaps keinen relevanten antibakteriellen Effekt. Dazu wäre eine wesentlich höhere Alkoholkonzentration und eine größere Menge nötig – wovon dringen abgeraten werden muss!
Allerdings verändert Alkohol die Verteilung und Zusammensetzung von Darmbakterien, also unseres Mikrobioms. Eine Fehlbesiedelung z.B. von Dickdarmbakterien im Dünndarm kann – bei regelmäßigem Alkoholkonsum – die natürliche Barriere der Darmschleimhaut gegenüber Keimen vermindern und so zu einer Ansiedelung von Bakterien im Blutkreislauf führen.
Einige Forscher glauben, dass diese Stoffe auf die Stimmung schlagen und die Anfälligkeit für eine Sucht verstärken können.

Im Haushalt mag Alkohol auch ein guter Fettlöser sein, im Magen ist er es definitiv nicht.
Größere Mengen Alkohol blockieren die Verdauung von Kohlhydraten.
Ähnlich wie bei einer Laktoseintoleranz können diese dann unverdaut in den Dickdarm transportiert werden und Durchfall verursachen.
Weitere Effekte von Alkohol sind eine verminderte Aufnahme der Vitamine B1 und B12, von den Spurenelementen Zink, Eisen sowie eine Resorptionsstörung von verschiedenen Aminosäuren *.

* Aminosäuren sind kettenförmigen Moleküle, die bei weniger als 100 Bausteinen Peptide und bei Ketten mit vielen hundert Bausteinen Eiweiße genannt werden.

Fazit: Ein Schnaps zur Verdauung mag gut schmecken, unser Wohlgefühl steigern und Völlegefühl mindern, doch der Verdauung hilft es leider nicht.

Quellen: Dr. Roger Agne, Chefarzt Innere Medizin, Dill-Kliniken Dillenburg
GesundheitsKompass Nr. 1, Januar 2020Schlagwörter: AlkoholVerdauung
https://orange.handelsblatt.com/artikel/59160

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