Sind Covid-Tote besonders ansteckend?

Auch so sieht Panikmache im www-Netz aus.

Screenshot Real.de

Ebenso kursiert das Gerücht >Covid-Tote sind besonders ansteckend< und verunsichert.
Seit der aktuellen Pandemie machen sich viele Menschen Sorgen um Themen, die zuvor kaum jemand aktiv auf dem Schirm hatte: sind die Toten ansteckend? Wie groß ist die Gefahr? Wie kann man sich schützen?
Das gilt in besonderer Weise für Angehörige, medizinisches Personal und Bestatter.

Hier eine fachliche Klarstellung:
Unter anderem hat die Universität Hamburg aktuell mehrere Forschungsprojekt laufen – über das neuartige Coronavirus und seine gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen sowie für Wege aus der Krise.

Hier ein Beispiel daraus: Antonia Fitzek, Ärztin am Institut für Rechtsmedizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf: „Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dass man sich allein vom Anschauen oder auch durch Berührung einer verstorbenen Person anstecken kann, erscheint wenig schlüssig.“ Sie untersuchte, um Klarheit zu schaffen, Verstorbene, die positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurden, ob Spuren des Virus an den Toten, an Leichensäcken oder Särgen nachweisbar sind, insbesondere an den Stellen, an denen häufig angefasst wird. Bislang waren alle Tests negativ.
Auch wenn die Zahl der getesteten Fälle bei Veröffentlichung noch gering war, ist auch bei theoretischen Überlegungen nichts anderes zu erwarten.
Lediglich wenn der Verstorbene noch kurz zuvor im Raum geatmet hat oder bewegt wurde und nicht gelüftet wurde, daher noch Aerosole in der Luft sein könnten, bestünde die Gefahr der Ansteckung.
Aber letztlich unabhängig davon, sollten Menschen, die mit infizierten Personen zu tun haben, sich durch geeignete Maßnahmen vor einer Ansteckung schützen.

Das Corona-CoV-19-Virus kann indirekt über Aerosole oder direkt durch Kontakt mit kontaminierten Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen werden. Der häufigste Weg ist nach bisherigen Erkenntnissen die Tröpcheninfektion – also durch Husten, Niesen, längerer Aufenthalt in der Ausatemluft eines Infizierten. Ein zweiter Weg ist die Schmierinfektion, wenn das Virus von der Hand in die Mund-oder Nasenschleimhaut oder die Bindehaut des Auges gebracht wird.

Ganz allgemein kann man sagen: Leichen sind nicht ansteckend – man muss keine Berührungsängste haben. Insbesondere dann nicht, wenn sie bereits vom Bestatter hygienisch versorgt, gewaschen und angekleidet wurden.
Die uralte Angst jedenfalls, dass die Haut von Leichen ein „Leichengift“ absondern, ist unter normalen Umständen völlig unbegründet.
Zum Abschied können die Angehörigen ihre Lieben ruhig noch einmal anfassen, streicheln oder auch küssen.
Dennoch ist aus Sicherheitsgründen besondere Vorsicht geboten, wenn der Verstorbene an einer meldepflichtigen Infektionskrankheit gelitten hat. In diesem Fall gilt die auch sonst sinnvolle Vorsicht mit Abstand und Schutzkleidung, medizinischen Latexhandschuhen für den Einmalgebrauch und das besondere Augenmerk auf hygienischen Maßnahmen, wie gründliches Waschen und desinfizieren.
(Meldepflichtige Krankheiten sind Cholera, Diphtherie, akute Virushepatitis, Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis (Blutvergiftung), Milzbrand, Mumps, Pest, Röteln, Tollwut, Typhus, Windpocken und 2019-nCov-Infektion (Corona))

Worin könnte eine Gefahr bestehen?
Bestimmte Krankheitserreger können nach dem Tod eines Patienten noch in einer aktiven Form im Körper vorhanden sein; z.B. in der Lunge. Die enthält auch nach dem Tod noch Luft. Wird der Verstorbene bewegt, kann die Luft mit dem Virus entweichen. Auch kann eine Infektion über Körperflüssigkeiten des Verstorbenen übertragen werden. Daher trägt das mit den Toten beschäftigte Personal sicherheitshalber Schutzkleidung. Beim Covid-19-Virus wird vermutet, dass die infektiösen Partikel noch mehrere Tage aktiv sein könnten.
Daher wird ein an Covid-19 Verstorbener in einen Leichensack gelegt oder mit einem Laken bedeckt.
Der Leichensack sollte nicht bzw. nur unter entsprechenden Schutzvorkehrungen geöffnet werden.
Nach der Einsargung muss der Sarg unverzüglich verschlossen und außen als „infektiös“ gekennzeichnet werden.
Dies mag die Quelle der oben genannten Gerüchte sein.

Quellen: https://www.real.de/, eigene medizinische Kenntnisse und Recherchen in der Uni-Klinik Gießen,
https://www.uni-hamburg.de/newsroom/exzellenzstrategie/2020/0921-coronavirus-krise.html
https://november.de/ratgeben/todesfall/Infektionskrankheiten/

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