Die Macht der Bilder – Wahrnehmungsverzerrungen

Und auf der gleichen Seite 5, in der oben groß ein Massengrab gezeigt wird, finden sich in einem Interview über die Sterblichkeitsraten in Hessen während der Corona-Krise unten rechts in der Ecke folgende Zeilen:

Quelle: Gießener Anzeiger, 6. und 9. Mai 2020

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Größer wirkt bedeutsamer als kleines; Höher erscheint übergeordnet, Schwer erscheint gewichtiger und bedeutsamer, geschriebenes erscheint glaubwürdiger als das vergängliche gesprochene Wort, reich oder mächtig wird mit kompetenter verbunden, dynamisches fasziniert mehr als statisches usw.

Unsere Wahrnehmung (besser Wahrgebung, da es ein aktiver Prozess ist) folgt bestimmten Mustern, denn wir müssen in Sekundenbruchteilen Gefährliches von Vertrautem und Freundlichem, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.
Das funktioniert mit unserem schnellen, unbewussten schematisch reflexhaft arbeitenden Hirnteilen, während die rationalen, höheren Funktionen mehr Zeit benötigen, um sich ein differenziertes Urteil zu bilden. Zunächst genügt das Vorurteil, um nicht gefressen zu werden. Zu lange überlegt, bedeutet nämlich vielleicht nichts mehr korrigieren zu können.
Wir richten uns nach der Gestalt, was umgangssprachlich die äußere Form, den Umriss, meint. Denn für Tiere und Menschen ist es überlebensnotwendig, einen Raubfeind oder einen potentiellen Geschlechtspartner unter den verschiedensten Bedingungen wiederzuerkennen.
Als Fachbegriff geht es dabei um das klassische Problem des Übergangs von äußerlich wahrnehmbarer Welt zur inneren Vorstellungswelt, wo unser persönlicher Eintag in unser inneres „Navi“ eine Gestalt bildet. In ihr verbindet sich die Aktivität mit der Wahrnehmung zu einer Einheit, in der der Übergang zwischen Anschauung und Bedeutung verschmilzt. Das Aktuelle und seine Beurteilung wird von früheren Erfahrungen sowie von der Auswahl des Fokus und des Figur-Hintergrundes in einem Raum beeinflusst.
Das Auftreten bestimmter Merkmalsgruppen kann somit auch als ein Objekt gedeutet werden, das real nicht vorhanden ist. Wir kennen das von optischen Täuschungen.

Quelle: Lexikon der Neurowissenschaft

Dabei gibt es regelhafte Tendenzen, wo wir Gefahr laufen, etwas systematisch falsch aufzufassen:

  • Gesetz der Nähe / Gesetz der gemeinsamen Region
    Elemente mit geringen Abständen zueinander werden als zusammengehörig wahrgenommen.
    Sind (große) Zwischenräume und Leere in einem Bild notwendigerweise Elemente zur Trennung?
    Bäume z.B. werden, wenn sie zusammenstehen, eher als Hain oder Wald gesehen, denn als Bäume.
    Elemente in abgegrenzten Gebieten; z.B. unter einem Sonnenschirm stehende Personen, werden als zusammengehörend empfunden.
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  • Gesetz der Ähnlichkeit
    Einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig erlebt als einander unähnliche.
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  • Gesetz der guten Gestalt
    Gestalten mit einprägsamer und einfacher Struktur (= „Gute Gestalt“) werden bevorzugt beachtet.
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  • Gesetz der Kontinuität / Gesetz der guten Fortsetzung (oder der durchgehenden Linie)
    Linien werden immer so gesehen, als folgten sie dem einfachsten Weg.
    Kreuzen sich zwei Linien, so gehen wir typischerweise nicht davon aus, dass der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen Knick macht, sondern wir sehen zwei gerade durchgehende Linien.
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  • Gesetz der Geschlossenheit
    Es werden bevorzugt Strukturen wahrgenommen, die eher geschlossen als offen wirken.
    Unser Gehirn ergänzt Dinge, die nicht vorhanden sind.

  • Gesetz des gemeinsamen Schicksals / Gesetz der verbundenen Elemente
    Zwei oder mehrere sich gleichzeitig in eine Richtung bewegende Elemente werden als eine Einheit oder Gestalt wahrgenommen. Verbundene Elemente werden oft als ein einziges Objekt empfunden.

  • Gesetz der Gleichzeitigkeit
    Elemente, die sich gleichzeitig verändern, werden als zusammengehörig empfunden.

Quelle: Wikipedia: Gestaltpsychologie

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