Krebsvorsorge – hier: Darmspiegelung

Maja Storch, eine Schweizer Kollegin, beschreibt in ihrem Buch >Machen Sie doch, was Sie wollen< wie schwierig es oft ist, zwischen dem, was die Vernunft sagt, und dem, was das Gefühl sagt, zu entscheiden.
Dabei führt sie das Beispiel an, wie sie vor ihrer ersten Darmspiegelung im inneren Zwist mit sich lag:
da war die eine Stimme, die nicht wollte, dass jemand in ihren Po eindringt und auch die Stimme der Wissenschaftlerin, die mit Zahlen und Statistiken für die Untersuchung plädierte. Am Ende nahm sie in diesem Fall ihre Ängste an die Kandare und ging zur sinnvollen Untersuchung; auch wenn es im Leben oft umgekehrt sinnvoll ist und zu besseren Gefühlen führt, wenn man seiner Intuition folgt.

Krebshäufigkeiten für Frauen und Männer in Deutschland

Laut Angaben des Robert-Koch-Institutes beläuft sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in Deutschlang auf ca. 33.000 und die Zahl der Todesfälle auf etwa 26.000 … allein durch Darmkrebs,
der zweithäufigsten Krebserkrankung bei Männern und Frauen.

https://www.youtube.com/watch?v=y84too7rOhU


Dabei besteht hier eine 90 %ige Heilungschance, wenn das (zunächst meist symptomarme und schmerzlose) Krebsgeschehen frühzeitig erkannt wird.
Oft wächst ein bösartiger Tumor im Darm über mehrere Jahre unbemerkt heran.
Wenn dann Symptome auffallen, findet sich meist ein fortgeschrittenes Stadium der Tumorerkrankung.
Das bedeutet für die oder den Betroffenen langfristig eine weniger positive Behandlungsprognose und letztlich eine geringere Überlebenschance. Die durchschnittlich langfristige Überlebensrate – über alle Patienten gerechnet – liegt bei etwa 63 %.
Daher sind die Vorsorgeuntersuchungen von so großer Bedeutung.
Seit einigen Jahren sind die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet, Patienten bei Erreichen des Alters, in dem das Risiko statistisch deutlich ansteigt, auf Vorsorgemaßnahmen wie Darmspiegelung und Stuhltest hinzuweisen. Auch wenn das durchschnittlich Alter einer Erkrankung bei Männern bei 72 Jahren liegt; bei Frauen im Schnitt bei 76 Jahren, so haben in den letzten Jahren die positiven Befunde bei den 40-50jährigen
deutlich zugenommen.
Deshalb wird Darmspielgelung als Früherkennungsmaßnahme seit 2019 bereits am dem 50. Lebensjahr von den Krankenkassen bezahlt.

Bei ca. 26 % finden die Untersucher bei den 50jährigen während der Darmspiegelung Darmpolypen, die meist Mikrochirurgisch entfernt werden und somit keine Gefahrenquelle mehr darstellen.
Auch bei fortgeschrittenen Erkrankungsfällen kommen heutzutage moderne Operationstechniken (minimal-invasive Verfahren / Schlüsselloch-Chirurgie) zum Einsatz. Ziel ist immer die möglichst vollständige Entfernung der Krebsgeschwulst und seiner Tochtergeschwülste (Metastasen) sowie möglicherweis befallener Lymphknoten, um die Gefahr von Rückfällen zu vermeiden.
Nach einer solchen Operation sind Darm- und Sexualfunktion in der Regel nicht beeinträchtigt. Nur in seltenen Fällen ist es notwendig, zeitweise einen künstlichen Darmausgang durch die Bauchdecke anzulegen, um dem Gewebe hinreichend Zeit zur Regeneration zu lassen. Nur wenn der Tumor nahe am Darmausgang liegt oder der Schließmuskel mit entfernt werden musste, bleibt der künstliche Darmausgang.
Chemo- und Strahlentherapie verbessern die Langzeitprognose. Hinzu kommt eine gute Nachsorge, die Aussichten auf dauerhafte Heilung unterstützen

Ursachen bzw. Risikofaktoren,

die – nach 8-10 Jahren – gutartige Darmpolypen in einen bösartigen Darmtumor umschlagen lassen:

> Übergewicht – BodyMassIndex über 30 – denn vor allem das Bauchfettgewebe schüttet Botenstoffe aus, die das Wachstum von Tumoren unterstützen.
> Rauchen – denn Nikotin regt die Polypenbildung im Darm an.
> Fleisch, insbes. häufiger Verzehr von rohem Fleisch und
> übermäßiger Alkoholkonsum (mehr als 2 Fl. Wein oder mehr als 3 l Bier pro Woche)
regen das Polypenwachstum an.
> bestimmte Darmbakterien

Vor einer Darmspiegelung kann das Risiko für die Entwicklung von Darmpolypen durch einfache Stuhl-Untersuchungen herausgefiltert. Die Darmspiegelung ist jedoch der aktuelle „Gold-Standard“ bei den Vorsorgemaßnahmen.
In Deutschland sind sowohl Stuhl-Tests wie auch die teuren Darmspiegelungen komplett kostenfrei.

Vorbeugend lässt sich auf folgendes achten:

> Die Ernährung sollte ausgewogen sein, d.h. (wegen der Darmfüllung und Anregung der Darmbewegungen) ausreichend Ballaststoffe enthalten, also Gemüse, Vollkornprodukte und Obst.
> Tägliche Bewegung von mind. 30 Minuten vermindert das Darmkrebs-Risiko um 30 % zu senken.
> Täglicher Alkohol- und auch Nikotin-Konsum hingegen erhöhen das Darmkrebs-Risiko.

Empfehlungen

> Stuhluntersuchungen auf versteckte Blutungen sollten ab dem 50. Lebensjahr beim Hausarzt einmal jährlich erfolgen.
> Eine Darmspiegelung können Männer ab dem 50., Frauen ab dem 55. Lebensjahr vom Facharzt vornehmen lassen.
> Nach einem positiven Stuhltest sollte unmittelbar eine Darmspiegelung stattfinden.
> Bei unauffälligen Befunden und wenn Eltern oder Geschwister an Darmkrebs erkrankt waren, sollten Kontroll-Darmspiegelungen nach 10 Jahre durchgeführt werden.
> Wird bei einer Darmspiegelung ein Polyp entdeckt oder es gibt eine familiäre Belastung mit Darmkrebs, sind Kontroll-Darmspiegelungen in Abständen von 5 Jahren sinnvoll.
> Unabhängig vom Alter gilt jedoch, das unklare Symptome auch auf eine bösartige Erkrankung hinweisen können; z.B. Veränderungen des Stuhlgangs oder der Stuhlgewohnheiten, Blutabgang aus dem After, anhaltende Bauchschmerzen oder ungewollter Gewichtsverlust.
> Für Kinder von Darmkrebspatienten besteht ein 2-3 fach erhöhtes Risiko auch derart zu erkranken. Hier ist es sinnvoll, sich bereits mit 45 Jahren zu einer Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung anzumelden.



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