Sterben – was passiert?

Jede Sekunde sterben 2 Menschen irgendwo auf der Welt – insgesamt mehr als 55 Millionen pro Tag.
In Deutschland sterben jedes Jahr knapp 2 Millionen Menschen, also mehr als 2.500 täglich.

Die schwer erkrankte Valentine Godé-Darel, ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Gemälde von Ferdinand Hodler, Juni 1914 – Gemeinfrei

Sterben und Tod waren nach den Weltkriegen, in den Zeiten des Wiederaufbaus, immer mehr aus dem Bewusstsein verdrängt worden. Kranke und alte Menschen wurden aus dem Zuhause in Krankenhäuser, Altenheime und Hospize ausgelagert. Das führte dazu, dass unser Wissen und eine gewisse Vertrautheit mit dem Phänomen verloren gegangen ist.
Folge davon sind oft Angst und mangelnde Vorsorge für den Fall der Fälle.
Folge davon sind Ärger im Krankenhaus, Streit ums Erbe, fehlende Zugänge zu Online-Konten usw.

Die Corona-Pandemie hat uns nun Menschen unsere biologische Natur und das Thema Endlichkeit wieder mehr ins Bewusstsein gerückt.
Dennoch vermeiden viele Menschen immer noch aus Angst vor Krankheit, Leiden, Tod (unbekannten, nicht kalkulierbaren Zuständen) und aus Angst vor Kontrollverlust die bewusste Beschäftigung mit der eigenen Vergänglichkeit. Dem kann hier ein Stück Wissen entgegengestellt werden.

Vor allem jedoch kann das Wissen um den Tod den Lebenden als ein guter Ratgeber zur Seite stehen, um zu prüfen, was wirklich wichtig ist und um die kurze Weile des Lebendigseins zu genießen.

Was passiert mit unserem Körper, wenn wir sterben?

Zunächst ist festzustellen, dass Sterben keine Sache in einem >Später< ist, sondern jeden Moment stattfindet.
Seit wir nach der Zeugung begonnen haben, mit Hilfe ererbter Informationen, die natürlichen Elemente durch Energiezufuhr in eine bestimmte Form zu bringen, zerfallen sie auch. Während des Lebens überwiegen die Aufbauvorgänge die Abbauvorgänge. Doch wenn die Zufuhr von Stoffen oder Energie, die zur Aufrechterhaltung des lebendigen Zustandes versiegen, dreht sich das Verhältnis.

Sterben ist also mehr als „der letzte Atemzug“ oder „das verlöschen des Herzschlages“.
Am Ende des Lebens ist es ein Prozess in dem sich die biologischen Vorgänge nach und nach verändern:
Essen und Trinken werden vom Sterbenden oft verweigert, weil es der Körper nicht mehr braucht.
Dennoch ist es hilfreich, den Mundraum zu befeuchten, da das Gefühl von Durst von den Schleimhäuten ausgelöst wird. Überhaupt kann Zuwendung, ein da sein und die Situation teilen tröstlich sein – für alle beteiligten. Das muss aber nicht so sein. Sie sollten da ihrem Impuls oder Gefühl vertrauen.
Im Sterbeprozess zieht sich das Blut allmählich in die Körpermitte zurück, um die wichtigsten Organe wie Herz, Lunge und Gehirn zu versorgen. Hände und Füße erkalten. Der Verdauungstrakt stellt nach und nach seine Arbeit ein, so dass sich Giftstoffe im Blut anreichern und der Sterbende immer müder wird. Überhaupt benötigen Sterbende häufig mehr Schlaf, als gewohnt. Auch das Bedürfnis zu sprechen lässt deutlich nach.
Die Wahrnehmung verändert sich und die Sinne – Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören – schwinden nacheinander. Das Gehör, das früh im Mutterleib schon aktiv war, bleibt am längsten erhalten.
Es kann zu Atempausen von mehreren Sekunden kommen. Husten und Schlucken fallen immer schwerer, so dass sich Schleim in den oberen Luftwegen sammelt. Das kann zu hörbaren Rasselgeräuschen führen. Unmittelbar vor dem letzten Atemzug kann es zur Schnappatmung kommen. Der Sterbende merkt davon nichts mehr.

Nahtod-Erfahrung – ein Übergangsraum

Immer wieder berichten Menschen, die einen Herzstillstand und eine damit einhergehende Bewusstlosigkeit erlebt haben, von einer Grenzerfahrung. Sie schwebten über sich, sahen ein helles Licht am Ende eines Tunnels und konnten entscheiden, ob sie ins Licht oder zurück ins Leben wollten. Vermutlich hängt diese Erfahrung mit der besonderen elektrochemischen Aktivität im Gehirn zusammen, die durch die Mangeldurchblutung ausgelöst ist und später in eine erzählbare Geschichte übersetzt wird.

Definitionen

Klinisch tot ist man, wenn es zu einem Kreislaufstillstand gekommen (kein Puls mehr zu fühlen) ist, die Atmung aussetzt sowie Sinne und Bewusstsein ausfallen. Dann sorgt der Sauerstoffmangel dafür, dass die Organe ihren Funktionen nicht mehr nachkommen können und absterben – früh ist da das Gehirn betroffen.
Hirntot meint dabei, dass alle Funktionen und Aktivitäten des Gehirns erloschen sind. Es sind keine Hirnströme mehr messbar. Der Mensch ist bewusstlos. atmet nicht mehr selbständig und die Hirnstammreflexe sind nicht mehr auslösbar: Pupillenreflex, Lidschlussreflex, vestibulookulären ReflexHusten- und Würgreflex.
Biologisch tot ist man, wenn alle Vitalfunktionen des Körpers zum Stillstand gekommen sind.
Vitalfunktionen erster Ordnung sind die Atmung und Herz-Kreislauf-Funktion, im weiteren Sinne auch die Hirnfunktion (Bewusstsein). Weder Reflexe noch Stoffwechselprozesse funktionieren regelrecht.
Vitalfunktionen zweiter Ordnung sind u. a. der Wasser-Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, die Nierenfunktion und der Wärmehaushalt.

Weiter nun nur noch für die, die es genau wissen wollen:

Was passiert mit unserem Körper, wenn wir tot sind?

Sobald die Zellen im Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, beginnen sich sich zur eigenen Energieversorgung selbst aufzuzehren. Dadurch lösen sich die Zellwände und -strukturen auf. In der Folge der Zelltode werden Enzyme wie auch die Mikroorganismen im Körper frei und die Zersetzung des Körpers beginnt. Alle zuvor definierten Bestandteile des Körpers werden in seine Bestandteile zerlegt, verflüssigen sich und fließen nach und nach in den natürlichen Kreislauf zurück.
Der typische Leichengeruch entsteht.
Da Flüssigkeiten ohne die Pumpfunktion des Herzens der Schwerkraft folgen, wird die Haut blass und es bilden sich bläuliche-rote Totenflecken. Da die Energie fehlt, um die Muskeln zu entspannen, bildet sich eine Leichenstarre aus. Bei offenen Augen trübt sich nach 1 – 2 Stunden die Hornhaut; bei geschlossenen Augen dauert das etwa einen Tag. Da die Wärmeproduktion des Stoffwechsels entfällt, sinkt die Körpertemperatur und gleicht sich allmählich der Umgebungstemperatur an. Die Darmbakterien bleiben auch nach dem Tod aktiv; nur, statt Nahrung zu verdauen, beginnen die Mikroorganismen die organischen Verbindungen des Wirtes zu zersetzen. Dabei entstehen Fäulnisgase, die den Körper aufblähen. Der Gasdruck kann verflüssigtes Gewebe aus Körperöffnungen pressen; die Adern unter der Haut verfärben sich grünlich.
Die Haut als solche trocknet aus und schrumpelt zusammen. Dadurch sieht es so aus, als ob Haare und Nägel nach dem Tode noch wachsen.
Insgesamt ist der Vorgang der Verwesung normalerweise ein aerober Prozess, d.h. er benötigt Sauerstoff. Daher beginnt die Verwesung des Leichnams an der Luft und an der Oberfläche des Körpers. Neben den körpereigenen Mikroorganismen, die etwa 1 – 2 kg des Körpergewichtes ausmachen, können auch Käfer, Würmer, Insekten und Insektenlarven an der Zersetzung (am Recycling der Baustoffe) beteiligt sein. Allmählich verfärbt sich der Körper wächsern, lila, dann schwarz.
Im Erdgrab löst sich das Körpergewebe innerhalb von 1 – 2 Jahren auf. In dieser Zeit erfolgt die vollständige Skelettierung; wobei Fingernägel, Haare und Sehnen etwa 4 Jahre benötigen um vollständig zu verwesen. Zuletzt zersetzen sich die Knochen.
Beim Verbrennen verdampft das Wasser, Fette und Eiweiße verbrennen, zurück bleiben in der Asche mehr oder weniger grob gekörnte Mineralien.

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