Wutanfälle bei Kindern

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JLU-Psychologin Anne Herr referierte unter dem Titel „Friede, Freude, Wutausbruch“ in der Veranstaltungsreihe „WissenSchaft Gesundheit“ zum Verhaltensmuster aggressiver und trotziger Kinder
und hielt Tipps für Eltern bereit. (Bericht von Jasmin Mosel, Gießener Anzeiger, 06.06.2020)

Viele werden das kennen: vor dem Schlafengehen oder in Situationen, in denen die Eltern anderer Meinung sind oder im Laden Wunsche nicht erfüllen wollen, das Kind übermüdet oder überdreht ist, usw.
Das Kind schreit, schlägt, spuckt, tritt, wirft mit Gegenständen oder sich auf den Boden – ist verzweifelt.
Sein Selbstbild ist in Gefahr, ebenso wie seine Größenphantasien frustriert wurden.

Einerseits ist wütendes und rebellisches Verhalten vom 1. bis 4. Lebensjahr wie auch in der Pubertät weit verbreitet und gehört zur typischen Entwicklung von Kindern. Sie müssen üben, für ihre Interessen einzustehen, ebenso wie sie lernen müssen, richtig zu streiten und mit Enttäuschungen umzugehen. Es ist also alterstypisches Verhalten, um das man sich keine großen Sorgen machen muss. Es wächst sich aus.
Allerdings spielt es eine große Rolle, welches Vorbild die Eltern vorleben, wie entspannt und verständnisvoll sie mit ihrem Kind umgehen; welche Hilfestellung sie anbieten, um einen Weg durch die Notfallsituation zu finden.

Anderseits sieht es ganz anders aus, wenn das Verhaltenmuster des Kindes in der Familie zu anhaltendem Leidensdruck führt; wenn von Extremausprägung und überaus heftigen Situationen auffälliger Wutanfälle *) zu sprechen ist.
Hier könnte eine psychische Störung mit deutlichem Abweichen von Denken, Fühlen, Verhalten vorliegen, die ärztlich-psychologisch abgeklärt werden sollte.
Ca. 3 % der Kinder zeigen durchgängig eine ärgerliche und gereizte Stimmung, zum Teil von Geburt an.
Bei ca. 2 – 10 % wird eine Störungen des Sozialverhaltens diagnostiziert, wobei immer wieder gesellschaftliche Normen ignoriert werden. Streit- und Rachsucht führen zu Beeinträchtigungen im Umfeld, in Kindergarten und Schule. Jungen da dreimal so häufig betroffen, wie Mädchen.
Frühzeitiges Eingreifen ist hier unbedingt notwendig, um korrigierend helfen zu können, damit sich das Muster erst gar nicht verfestigt und eine Abwärtsspirale verhindert werden kann.

Eltern wollen da oft „Ursachen“ finden, fürchten, selbst „Schuld“ am Verhalten des Kindes zu sein. Doch es können biologische, psychologische und soziale Risikofaktoren auffälliger machen und in Kombination mit einem Stressereignis psychische Erkrankungen begünstigen. In der Regel kommen verschiedene Dinge zusammen, so dass eine einzelne „Ursache“ meist nicht gefunden wird. Oft spielen Defizite in der Wahrnehmung, in der Gefühlserkennung, und damit im Verstehen der Welt eine Rolle.

*) Unter Wutanfall versteht man einen meist kurzzeitigen partiellen oder völligen Verlust der Kontrolle
über das Gefühl der Wut; man spricht hier vom Affekt.
Wutanfälle richten sich gegen Personen, Tiere, Institutionen oder auch Sachen und haben oft einen konkreten Auslöser,
der aber nicht zwangsläufig identisch mit dem Ziel der damit verbundenen Attacke sein muss.

Prinzipiell kann in Ausnahmesituationen und unter starkem Stress jeder Mensch einen Wutanfall erleiden,
wobei jedoch eine Neigung zu solchen bei Erwachsenen als cholerisch gilt.
Bei Kleinkindern gehören Wutanfälle in einer bestimmten Phase zur psychischen Entwicklung.

Ein Wutanfall kann absichtlich oder unabsichtlich evoziert werden.
Dazu genügen oft schon kleine Reizworte oder Handlungen, die für sich genommen eigentlich keine Bedeutung hätten. Neben dem externen Auslöser gibt es auch die Möglichkeit, sich selbst in einen Wutanfall zu steigern.

Zu differenzieren sind Aggression und Destruktion

Quelle: Wikipedia

Weitere Berichte zum Thema finden sich z.B. auf folgenden Seiten:

https://www.oberbergkliniken.de/artikel/die-macht-von-unterdrueckten-gefuehlen-wie-sich-innere-wut-auf-die-psychische-gesundheit-auswirken-kann

https://www.liebenswert-magazin.de/was-bei-wut-mit-dem-koerper-passiert-2264.html

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