Konsum psychoaktiver Substanzen

Foto: psychoaktive Substanzen (wikipedia)

Der Konsum psychoaktiver Substanzen ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Er ist einer der Hauptrisikofaktoren für die globale Krankheitslast und vorzeitige Sterblichkeit.
Zum Teil ist es den Einnehmenden nicht einmal bewusst, was sie da tun und welcher Gefahr (von z.B. einer Psychose bis zum Magendurchbruch) sie sich aussetzen; da medial mit Halbwahrheiten beworben und frei verkäuflich zu haben: z.B. nichtsteroidale Analgetika wie Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac und viele mehr (zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei Erkrankungen, wie Arthritis, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, bei Sportverletzungen, Sehnenentzündungen (z.B. Tennisarm, Läuferknie usw.), Menstruationsbeschwerden, zum Fiebersenken oder zur Blutverdünnung usw.. Von vielen Menschen wird der Konsum, wie auch der von Alkohol oder Nikotin, als normal empfunden.
Die weite Verbreitung, der riskante Gebrauch bis hin zur Abhängigkeit ist von großer persönlicher Bedeutung für Gesundheit und Lebenserwartung wie auch volkswirtschaftlich relevant. Die jährlichen Folgekosten allein aus dem Konsum von Alkohol und Nikotin in Deutschland belaufen sich jährlich geschätzt auf 160 Milliarden Euro.
Der Cannabiskonsum hat sich von 1995 bis 2018 verdoppelt, Diese Substanz ist insbesondere für jugendliche Konsumenten bedenklich, das sie die Gehirnentwicklung und -ausreifung behindert. Suchforscher gehen davon aus, dass jede zehnte Person mit regelmäßigem Konsum eine Abhängigkeit aufweist.

Auf Tabakkonsum waren global für 8,1 Millionen Todesfälle ursächlich zurückzuführen, bei Alkohol waren es 2,44 Millionen und bei illegalen Drogen 494.000 Todesfälle – bei einer Gesamtzahl von 56.53 Millionen Todesfällen / Jahr sind das ca. 1/5 (11,64 Millionen), die auf den Konsum psychoaktiver Substanzen zurückzuführen sind – und dabei sind die legalen Drogen nicht einmal mit einberechnet.
Die volkswirtschaftlichen Kosten in Deutschland, die durch die Steuereinnahmen für Tabak und Alkohol nicht kompensiert werden, belaufen sich für Alkohol pro Jahr auf etwa 57,04 Milliarden Euro und für Tabak auf 97,42 Milliarden Euro (2018), für illegale Drogen (2010) waren es ca. 5,2-6,1 Milliarden Euro; wobei die Folgekosten allein für Cannabis auf ca. 975 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden.

Beim Medikamentenkonsum psychoaktiver Substanzen zeigen die Zahlen in einer jetzt von Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie folgendes:
Nichtopioid-Analgetika (wie die oben genannten Schmerzmittel) konsumieren 24,3 Millionen Personen;
als zweithäufigste folgen Hypnotika und Sedativa (also Schlaf- und Beruhigungsmittel), die 2,8 Millionen Menschen einnehmen; gefolgt von Antidepressiva 2,7 Millionen und Opioid-Analgetika (Morphine) 1,1 Millionen Menschen.
Insgesamt gaben 51,4 % (26,2 Millionen Personen) an, mindestens ein Medikament innerhalb der letzten 30 Tage eingenommen zu haben – wobei der Frauenanteil bei 60,6 % und der Anteil der Männer bei 42,5 % lag.
Am häufigsten wurden Antidepressiva (90,4 %) täglich eingenommen, gefolgt von Neuroleptika, die den Stoffwechselprozesse im Gehirn beeinflussen (83,9 %) und Anorektika, also Appetitzügler (57,2 %),
Nichtopioid-Analgetika (6,9 %, also nur selten täglich konsumiert – wobei der Anteil der dennoch täglichen Einnahme Männer bei 9,8 % und bei Frauen bei 5,0 % liegt).
Ein insgesamt problematischer Medikamentengebrauch lag bei 5,7 % (2,9 Millionen Personen) vor.

Schlussfolgerungen der Studie:

Tabak – Mit einem Raucheranteil von mehr als einem fünftel (22,7 %, 11,6 Millionen Menschen) ist der Konsum von konventionellen Tabakprodukten unter den 18 – 64-jährigen in Deutschland weit verbreitet. Bei Einbeziehung Jugendlicher (kleiner-gleich 14 Jahre) steigt die Quote auf 30 %.
Rauchen ist einer der größten vermeidbaren Risikofaktoren für eine Vielzahl von Erkrankungen, unter anderem kardiovaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs und Atemwegserkrankungen, u.a. COPD = Chronisch obstruktive Lungenerkrankung mit zunehmender Luftnot.
Jährlich sterben etwa 125.000 Menschen an den Folgen ihres Rauchens. Aber 2020 hat nur jeder 5. Raucher einen Aufhörversuch unternommen.
Laut aktueller Studienlage ist das Nutzen von E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich, als das rauchen von Tabak-Zigaretten. Dennoch wird es nicht als ungefährlich eingeschätzt. Vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene besteht aufgrund der vielfältig angebotenen Aromen und Geschmacksrichtungen ein erhöhtes Risiko für den Einstieg in den Konsum und die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren.

Alkohol ist mit einer 30-Tage-Prävalenz (hier Kennzahl für die Konsumhäufigkeit in einer Gruppe) von 70,5 % die in Deutschland am häufigsten konsumierte psychotrope Substanz.
Auch hier stehen Menge und Häufigkeit an Alkoholkonsum nachweislich im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für eine Vielzahl von insbesondere chronischen Erkrankungen; auch hier das kardiovaskuläre und Krebs-Risiko, aber auch Verletzungen, Verkehrsunfälle und Schwangerschaftskomplikationen, Erinnerungslücken bis hin zu Schädigungen des Gehirns bei Jugendlichen. 17,6 % der Konsumenten weisen einen problematischen Alkoholkonsum auf.

Illegale Drogen – hier ist Cannabis mit einer 12-Monate Prävalenz von 8,8 % die am häufigsten konsumierte illegale Droge – geschätzt 4,5 Millionen Konsumenten. Angststörungen, Psychosen, Depressionen sind hier mit dem Konsum assoziiert.
Seit 2017 gibt es zudem für etwa 30 – 40.000 Nutzer medizinisches Cannabis nach ärztlicher Verordnung für mehr als 50 verschiedenen Erkrankungen bzw. Symptome.
Andere illegale Drogen sind in Deutschlang weniger stark verbreitet. Kokain / Crack steht mit einer Prävalenz von 1,6 % an zweiter Stelle bei der Häufigkeit der Einnahme, gefolgt von Amphetaminen mit 1,4 % – in Deutschland doppelt so hoch wie in Gesamteuropa (0,7 %). Dabei sind NpS = Neue psychoaktive Substanzen oder Designerdrogen wie Synthetische Cannabinoide, Phenethylamine und Cathinone 1,3 % stärker verbreitet als Methampetamine 0,2 %.

Medikamente – Etwa 30 % (24,2 Millionen Menschen) konsumieren in Deutschland Nichtopioide-Analgetika. Da sie frei verkäuflich sind, werden sie als Mittel gegen leichte bis mittelstarke Schmerzen eingesetzt, können aber bei unsachgemäßer Anwendung zu gravierenden bis tödlichen Nebenwirkungen führen. Die Missbrauchsquote wird auf 6,4 % (3,2 Millionen Menschen) geschätzt.
Der Anteil an Personen, die verschreibungspflichtige Opioide, wie z.B. Morphin, Fentanyl, Oxicodon, Codin, Petidin, Tillidin, Tramadol, Naloxon, Loperamid u.a. einnehmen, hat „nur“ eine 12-Monate-Prävalenz von 2,1 %. Der Anteil steigt allerdings, trotz geringer Evidenz, also fehlendem Nachweis des Nutzens in dieser Patientengruppe, bei chronischen Nichttumorpatienten, über die letzten 10 Jahre an. Bei etwa 2,9 Millionen Menschen liegt in dieser Kategorie, in die auch etliche Hypnotika = Schlafmittel und Sedativa = Beruhigungsmittel gehören, ein problematischer Medikamenten-konsum vor.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 119, Heft 31-32, 8. August 2022
Konsum psychoaktiver Substanzen in Deutschland
Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurvey 2021

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